Montag, 27. Juni 2011

Der Fast-Food-Sommelier


thevreelandclinic.files.wordpress.com
Der Begriff Sommelier hat sich ja leider weitgehend inflationalisiert. Es gibt Bier-Sommeliers, Wasser-Sommeliers, Käse-Sommeliers... Das stört mich allerdings weniger, da es sich hier um Lebensmittel handelt, bei denen es große Qualitätsunterschiede gibt und bei denen ein ausreichendes Wissen tatsächlich zu erhöhtem Genuss beitragen kann.
Ein Ausschnitt aus einer amerikanischen Sendung hingegen regte mich auf, weil dort ein ausgemachter Weinexperte von einem amerikanischen Gourmet-Portal einer bekannten Weinzeitschrift die „ultimativen“ Weinempfehlungen zu qualitativ stark minderwertigen Lebensmitteln abgab, die viele Amerikaner gerne vor dem Fernseher essen. Der „optimale“ Wein zu Nüssen, gesalzenem Popkorn, Nachos mit Käsepampe und scharfen Jalapeños sowie intensiv süßem Zuckerzeug!
Nicht, dass ich keine Chips oder Ähnliches gelegentlich vor dem Fernseher essen würde, aber was soll eine ernstgemeinte Weinempfehlung dazu? Es ist doch vollkommen egal, was man dazu trinkt, denn man widmet dem eh nur stark eingeschränkte Aufmerksamkeit, da man Fernsehen schaut und sich bestimmt nicht auf den Geschmack konzentriert. Und bei den Empfehlungen handelte es sich ja nicht um 2,- Euro Weine aus dem Supermarkt, sondern um Weine, die mit Leidenschaft hergestellt worden sind. Die man dann also beachtungslos und mit viel zu salzigen Dingen (die den Wein bestimmt wenig positiv beeinflussen) hinunterspült. Was hat denn das mit Genuss zu tun? Man sollte dem, was man isst und trinkt, viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Und das ist auch die Aufgabe eines Sommeliers: Genuss und Qualität vermitteln. Darum hat mich diese Weinempfehlung zu minderwertigen Nahrungsmitteln echt genervt.

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