Montag, 30. Mai 2011

Winzer in "echt"

Ginés Fernández López - Bodegas y Viñedos Gancedo.

Quelle: http://aglassafterwork.com
 Es ist kein Geheimnis, dass wir Menschen uns von vielen Dingen - bewusst oder unbewusst -beeinflussen lassen und oftmals ein objektives Urteil kaum möglich ist. Deshalb ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, Weine gerecht zu beurteilen, sie blind zu probieren.
Lange Rede – kurzer Sinn: die Weine von Bodegas y Viñedos Gancedo schmecken mir noch besser, nachdem ich den Winzer kennen gelernt habe! Das ist ein echter Charakter, mit Ecken und Kanten, ungemein authentisch. Die Qualität seiner Weine ist seine Lebensaufgabe und er identifiziert sich vollkommen mit seiner Arbeit. Die Weinmesse beim Rheingau-Gourmet-Festival war seine erste Messe im Ausland und zur Teilnahme musste er schwer überredet werden. Er konnte überhaupt nicht verstehen, wie man als Winzer seinen Weinberg für 3 Tage alleine lassen kann und soll. Ungemein sympatisch. Allerdings war ich sehr froh, dass er einmal verreist ist und ich so die Möglichkeit hatte, ihn kennen zulernen und viel Spannendes rund um die Entstehung seiner Weine gehört zu haben.

Der Xestal (siehe Bild) und weitere Weine der Bodegas y Viñedos Gancedo sind auf Vinogusta unter diesem Link erhältlich.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Zeit der Entdeckung weißer spanischer Rebsorten – Albillo

Quelle: http://farm6.static.flickr.com
Vielleicht sind weiße spanische Rebsorten immer eine Entdeckung, da in Deutschland viel mehr roter spanischer Wein getrunken wird und man schon „Spanienfachmann“ ist, wenn man die berühmteste spanische Weißweinregion DO Rueda kennt.
Heute möchte ich die weiße Rebsorte ALBILLO vorstellen, da ich gerade in den Genuss kam... In Weinbüchern findet man kaum eine lobende oder ausführlichere Beschreibung dieser Rebsorte. Allerdings erstaunlicherweise vereinzelt extrem gute Verkostungsnotizen. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass diese Rebsorte selten vorkommt in Spanien und dementsprechend wenige Menschen wirklich etwas dazu zu sagen haben – bis sie durch Zufall an einen erstaunlichen Wein geraten...

Montag, 23. Mai 2011

BIO: Mehr als organisch?

Quelle: www.ecovin-baden.de
Extreme Ansichten können die positive Wirkung haben, dass man zum Nachdenken angeregt wird und vielleicht auch zu einer persönlichen Meinungsbildung. Ich habe ein interessantes Interview mit Pierre Jancou, Gastronom, Koch, Importeur und Verfechter von natürlichen Weinen (vins naturels) gelesen und möchte seine Gedanken gerne „in die Runde werfen“. Der Mann ist Franzose und ein echter Weinextremist, was die Herstellung von Weinen angeht. Die Weinbewegung „vins naturels“, für die er steht oder vielleicht auch deren „Kopf“ er ist, möchte eine absolut natürliche Weinherstellung ohne jegliche Zusätze.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Schmausend in der Flugschneise

Neulich wieder in der Casa Goyo gewesen. Es gibt sie immer noch. Kürzlich wurde renoviert, Bretterverschläge wurden gestrichen, der Parkplatz zeigt sich in gepflegterem Zustand. Aber ansonsten wurde der urige Charakter nicht angetastet. Man muss sich das vorstellen: Ein Restaurant mitten in der Flugschneise. Gegessen wird in kleinen Holzbaracken direkt an der Felsenküste. Man hört die Brandung des Meeres, schaut durch glaslose Fenster in die Ferne und denkt: Wie auf Cuba. Dabei sind wir auf der Kanareninsel La Palma.

Rustikale Holztische und –bänke, salzige Luft, Sonne, Salsa-Musik. Wir staunen und schmausen. Während eine Iberia-Maschine fast zum Greifen nah, vor allem mit großem Getöse über uns den Landeanflug zelebriert, wird die Fischplatte serviert, dazu Kartoffeln, grüne Mojo-Sauce, vulkanisch angehauchter Malvasía-Weißwein aus Fuencaliente. Iberias Getöse lässt die Teller zittern. Auf ihnen zittert gegrillter Papageifisch (vieja), auch ein Stückchen Muräne (morena) ist beigefügt. Alles schmackhaft, herzhaft, frisch in der offenen Küche neben der Bar zubereitet.

Wenn man schließlich beim Kaffee sitzt, in der Tasse rührt, weit über das Meer schaut, denkt man unwillkürlich: Gibt es einen geeigneteren Ort, um den Rückflug nach Mitteleuropa zu verpassen?

www.casagoyo.es (montags geschlossen)

Montag, 16. Mai 2011

DO Arlanza im Schatten der DO Ribera del Duero

Quelle: http://fotomilk.com
Die DO Arlanza ist klein und „unerschlossen“ und befindet sich in der Provinz Burgos. Mit seinen 450 ha Rebfläche gehört es zu den kleinsten Weinanbaugebieten Spaniens. Die hügelige und zum Teil bergige Weinregion (800-1200m üNN) liegt nördlich der DO Ribera del Duero und ist dem berühmten Nachbarn in klimatischer und geographischer Hinsicht äußerst ähnlich...

Dienstag, 10. Mai 2011

Grillen und Chillen

Warum zum Grillen und Chillen auf der Wiese im Sommer nur Bier? Nichts gegen Bier, aber vielen kommt es immer noch nicht in den Sinn, einen Wein mitzunehmen. Und wenn mal einer angeboten wird, dann auf Umgebungstemperatur. Den möchte dann natürlich niemand trinken! Man trinkt ja auch kein warmes Bier. Immer schön Kühlakkus oder so eine Kühlmanschette, die die ganze Flasche umschließt (perfekt bei Weißwein), mitnehmen in der Tasche, in der der Wein transportiert wird – auch beim Rotwein. Der schmeckt nämlich genauso wenig warm wie Weißwein. Und Rotwein zu gegrilltem Fleisch ist doch ein Traum! Der muss gar nicht teuer sein. Ein junger Roter aus der Rebsorte Tempranillo ohne Holzausbau passt gut gechillt wunderbar zum Grillgut und einem warmen Sommernachmittag. Mein Tipp: Stellen Sie den Rotwein ca. eine halbe Stunde in den Kühlschrank. So kühlt man ihn auf ca. 14-15° C runter. Dann viel Spaß beim Grillen und Chillen im Sommer 2011!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Gedanken beim Verzehr einer Scheibe Schinken.

Man kann sich darüber streiten, ob der beste Ibérico-Schinken aus Guijuelo (Salamanca/Kastilien), Jabugo (Huelva/Andalusien) oder aus der Extremadura kommt. Was nicht zu bestreiten ist, kam mir kürzlich in Guijuelo wieder in den Sinn: Ohne die Dehesa gäbe es weder Ibérico-Schweine noch Schinken oder andere Fleischpartien von ihnen. Im Grunde müsste jeder, der sich mit Ibérico-Delikatessen vergnügt, eine kleine Abgabe entrichten, um die Dehesa zu pflegen und ihr Ökosystem zu erhalten.
Als weltweit einzigartige Kulturlandschaft zieht sich die Dehesa parallel zur portugiesischen Grenze aus dem Westen Andalusiens nordwärts durch die Extremadura bis in die kastilischen Provinzen Salamanca und Zamora. Überall große, mächtige Steineichen, der Charakterbaum dieser Landschaft. Auch einige Berg- und Korkeichen sind darunter. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden Schatten, werfen Laub ab, das sich zersetzt und das Wachstum anderer Pflanzen begünstigt. Im Herbst fallen Abertausende von Eicheln zu Boden: Futter für die Endmast der Ibérico-Schweine, die das ganze Jahr hindurch bei Kälte und Sommerhitze in dieser Landschaft leben.

Dienstag, 3. Mai 2011

Ein Monument wird verzehrt.


Wenn ich in Katalonien zu tun habe, sorge ich dafür, dass ich bald nach der Ankunft ein pa amb tomàquet genießen kann. Tomatenbrot könnte man übersetzen, aber es ist weit mehr als das. Die kulinarische Zeremonie beginnt mit einer Scheibe Bauernbrot; es muss von fester Konsistenz, die Rinde muss dunkel gebacken sein. Einige Tropen Olivenöl darauf. Dann nimmt man eine Tomatenhälfte und reibt sie über die Scheibe, bis sich das Innere in der Brotsubstanz verliert. Dazu taugen nur spezielle Brot-Tomaten mit harter Schale, sie sind klein wie ein Golfball, dunkelrot, vollreif. Sie werden im Sommer geerntet, später an einer trockenen, luftigen Stelle aufgehängt. Dort halten sie sich fast ein Jahr.

Schließlich wird das Tomatenbrot nochmals großzügig mit einigen Tropfen Olivenöl getränkt. Abschließend einige Körner Meersalz darüber. Endlich der erste Biss hinein in dieses Monument des katalanischen Kulturerbes. Dazu ein Gläschen Weißwein oder Cava. Schon regt sich in mir das Gefühl: Wie angenehm, wieder mal in Katalonien angekommen.


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