Donnerstag, 3. März 2011

Wieviel % hat er denn?

Da ist sie wieder, die Frage nach dem Alkohol. Ich habe noch keine einzige Weinprobe erlebt, bei der diese Frage nicht mindestens einmal gestellt worden ist. Am liebsten würde ich dann fragen: Wieso? Was können Sie denn damit anfangen?


Aber das wäre unhöflich. Aber es stimmt, denn diese Zahl alleine sagt einem nichts. Gut, wenn man einen leichten, weißen oder himbeerfarbenen Wein für die Terrasse sucht, mag das ein Argument sein. Aber bei den Roten? Einer mit 15% Vol. schmeckt da nicht zwangsläufig nach Rumtopf und erwärmt einem den Rachenraum. Ein Wein mit nur 12% Vol. kann viel alkoholischer riechen und schmecken, wenn er keine vernünftige Struktur hat. Tendenziell reagiert aber das Gros der Konsumenten ablehnend auf höhere Prozente. Aber nur, wenn sie darüber informiert sind – vorher war der Wein noch angenehm zu trinken.



Pauschalurteile, wie ein eleganter, edler Wein sollte mit nicht mehr als 14% Vol. ausgestattet sein, treffen noch nicht einmal auf einen großen Teil der Spitzenweine der Welt zu. Viele der hoch bewerteten Weine aus Spanien, Bordeaux oder Burgund liegen zum Beispiel sehr häufig bei 14% Vol. und darüber. Ich mag auch keinen „fetten“ Wein trinken, bei dem man schon nach einem Glas gesättigt ist. Doch dieses ermüdende Sättigungsgefühl hängt ja nicht nur vom Alkoholgehalt ab, sondern noch von einigen anderen Dingen, wie der Säurestruktur und dem Fruchteindruck. 


Bei dem „Rezept“ für einen guten Wein ist der Alkohol nur ein Bestandteil, das Geheimnis liegt wohl in der Balance mit den anderen „Inhalten“. Und wie immer bleibt dem Konsumenten nur ein Weg zur Beurteilung eines Weines: das Probieren. Dann zum Wohl!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Neue Pakete auf vinogusta.com