Montag, 12. Dezember 2011

Big Jay!!! Big Business???

Letzte Woche ließ der große Robert Parker Jr. auf seiner Website erobertparker.com verlauten, dass es Veränderungen in seinem Verkostungsteam geben würde und teilte mit, dass Jay Miller nicht länger für den WineAdvocate schreiben würde...

Montag, 21. November 2011

Die neue Lust auf gutes Essen

Am 11.November erschien die neue deutsche Ausgabe des Guide Michelin. Jedes Jahr zeichnet der renommierte kulinarische Führer Restaurants mit den beliebten Sternen aus. Mit insgesamt 249 Sterne-Restaurants bietet Deutschland nach Frankreich die meisten Adressen für kulinarischen Hochgenuss. Die höchste Auszeichnung von 3 Sternen erhielten 9 Restaurants und somit konnte das hohe Niveau der Vorjahre gehalten werden. Die Anzahl der 2-Sterne-Restaurants stieg auf 32. Diese Zahl hat sich in den letzten 2 Jahren verdoppelt. Die Auszeichnung des Michelin ist nicht nur Anerkennung und Prestige für den verantwortlichen Küchenchef und seine Crew, sondern ist oft auch mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden. Kaum ein 3-Sterne-Restaurant, das sich über leere Plätze beklagen müsste, im Gegenteil, die Wartelisten werden länger und länger. Dabei liegen die Preise für einen Hauptgang in der Regel jenseits der 50 Euro. Ein Degustationsmenü mit passender Weinbegleitung kann dann schon mal 300 Euro kosten - Der Gruß aus der Küche und die Ausführungen des Sommeliers sind natürlich inbegriffen.

Eines der Hauptkriterien für die Vergabe der Sterne ist neben der Innovation und Einzigartigkeit der Gerichte und der Harmonie der geschmacklichen Verbindungen vor allem die Auswahl der Produkte, deren Frische und die fachgerechte Zubereitung.
So möchte der Gast nicht nur seinen Hunger stillen - er will auf höchstem Niveau genießen. Hierzu gehört auch mehr über das Produkt, welches er serviert bekommt, zu erfahren. Bei all den verschiedenen Kochstilen und den ach so unterschiedlichen Interpretationen der Gerichte - in einem Punkt sind sich alle Spitzenköche einig: Ohne Top-Produkt kein Top-Gericht. Der Gast legt höchsten Wert auf exquisite Produkte bekannter Herkunft und Identität.
Die Lust auf gutes Essen ist ungebrochen...und das ist auch gut so. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung und hoffe, dass dies nicht nur ein vorübergehender Trend ist, sondern wir auch weiterhin große Sorgfalt bei der Auswahl unserer Lebensmittel walten lassen, denn gutes Essen beginnt genau hier und nicht unbedingt in einem mit Sternen dekorierten Restaurant.

Dienstag, 8. November 2011

PPP – „Parker“, „Peñin“ oder doch der „Persönliche Geschmack“

Wer sich heutzutage etwas genauer mit dem Thema Wein beschäftigt, ist sicherlich schon mal über die Verkostungsnotizen und Bewertungen des berühmten Robert Parker Jr. aus den USA gestoßen. Wie könnte man daran auch vorbeikommen, ist doch gerade die Internetwelt voll davon. Kaum ein Online-Shop, der darauf verzichtet, die Meinung des ehemaligen Anwalts aus Baltimore anzupreisen - natürlich nur wenn diese positiv ist. Sein 100-Punkte Bewertungssystem wurde z.B. auch von José Peñin, der als wichtigster und einflussreichster Weinkritiker Spaniens gilt, übernommen.

Natürlich sind manchen von uns diese Bewertungen eine große Hilfe bei der Auswahl unserer Weine. Aber können wir uns denn auf den guten Geschmack dieser Kritiker verlassen? Über diesen lässt sich ja bekanntlich streiten. Fakt ist, dass unser Geschmack nicht zwangsläufig der eines berühmten und einflussreichen Weinkritikers ist. So wird auch Robert Parker immer wieder für seine klar definierte Geschmackslinie kritisiert. Andererseits habe ich noch nie einen miserablen 100-Punkte-Wein getrunken. Im Gegenteil, alle waren exzellente und unvergleichliche Weine auf höchstem Niveau. Die Bewertungen sind meiner Meinung nach ein hilfreiches Tool um das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Weins einschätzen zu können. Hoch bewertete Weine sind qualitativ sicher nicht schlecht, ob sie dann unseren Erwartungen entsprechen ist eine andere Frage. In letzter Instanz sollten wir unseren eigenen Geschmack entscheiden lassen, denn darauf kommt es doch an...Der Wein muss einfach gut schmecken! Salut!


Bildquelle: wineindia.in

Mittwoch, 28. September 2011

"Die florale Retronase oder die übermotivierte Hochnäsigkeit?"

Keine Frage, Wein ist mit Abstand eines der feinsten und interessantesten Getränke. Doch wir tun dem Wein keinen Gefallen, wenn wir suggerieren, dass es vieler Grundkenntnisse bedarf - sogar manche esoterischen Charakters - um einen guten Tropfen zu genießen.



Oftmals ärgern wir uns darüber, dass die Konsumenten nach wie vor bei einem Dornfelder, Lambrusco und vor allem beim altbekannten Bier verharren. Diesen Schuh müssen wir uns als Händler, und vor allem die Sommeliers, Önologen, Journalisten und Winzer selbst anziehen. Mittlerweile haben wir nämlich den Wein mit einer immensen Ansammlung von Fachausdrücken und Beschreibungen derart mystifiziert, dass sich der Normalverbraucher zu Recht fragen muss, wie die “leicht floralen Noten in der Retronase” zu verstehen sind, ob dies gar ernst gemeint ist, oder ob sie lieber den Hund mit der so feinen Nase um Hilfe bitten sollten, diese Noten endlich zu finden.

Selbstverständlich darf man von einem Önologen erwarten, dass er im Rahmen seiner Profession feinste Nuancen erkennt und diese zum Ausdruck bringen kann. Beim normalen Weinverbraucher jedoch wächst das Verständnis für die vielschichtige Welt des Weines und die Bereitschaft unbekanntes Gebiet zu betreten erst bei zunehmendem Konsum jedes Mal ein bisschen mehr. Und genau da liegt das Problem. Denn, anstatt den Verbrauchern die nötige Hilfestellung durch einfachere und verständlichere Beschreibungen zu geben, schießen die unzähligen Sommeliers, Kritiker und Fachjournalisten öfter übers Ziel hinaus und vermitteln so dem normalen Konsumenten den Eindruck, dass das noble Getränk Wein eine geheimnisvolle, fast nicht zugängliche Aura umgibt. Wer traut sich da noch zu widersprechen oder gar ehrlich zuzugeben, dass der eine oder andere so hoch gelobte Wein „mit der so komplexen, aber zugleich ausgewogenen Struktur” am Ende doch nicht geschmeckt hat? Schon gar nicht möchte man sich blamieren, wenn man nicht das gequälte Vokabular des Fachjargons beherrscht, um es dem unverständig drein schauenden Sommelier erklären zu können.

Zweifellos braucht es sehr viel Zeit, Fachwissen und Erfahrung, um die komplexen Hintergründe der vielfältigen Weinwelt zu verstehen. Die weitaus größere Kunst liegt vielleicht jedoch darin, dieses Wissen so weitergeben zu können, dass bei der Ansprache keiner ausgeschlossen wird, dass alle auf das Neue, Unbekannte gespannt bleiben und dass zur Krönung viele Interessierte zum Probieren animiert werden. Ganz gleich, welcher Tropfen verkostet wird: letztendlich muss Jedem die Möglichkeit gewährt werden, selbstbewusst den eigenen Geschmack entdecken zu dürfen - denn, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

(Bildquelle: www.badische-zeitung.de)

Mittwoch, 6. Juli 2011

No go Weißweinschorle?

Quelle: www.mineralwasser.com
Was ich gar nicht verstehen kann ist, warum man sich über Leute aufregen muss, die Weißweinschorle trinken. Eine Weinfachfrau schrieb, dass es quasi eine Schande ist und sie gerne die Leute darüber belehren würde, welches Aroma der Wein hätte, ohne das hinzugefügte Wasser...
Es handelt sich um Wasser – nicht um Cola – und natürlich ist es schade, wenn man einen hervorragenden Weißwein mit Wasser verdünnen würde, bei dem sich der Winzer viel Mühe gemacht hat und die vielfältigen Aromen so verwässert würden. Aber jetzt mal ehrlich: wer macht das schon?
Es dreht sich doch hier um fruchtige, einfache, zugängliche Weißweine, die zur Schorle gespritzt werden. Meine Eltern trinken fast jeden Tag eine Schorle mit ehrlichem Literwein vom Winzer aus dem Nachbarort...

Montag, 27. Juni 2011

Der Fast-Food-Sommelier


thevreelandclinic.files.wordpress.com
Der Begriff Sommelier hat sich ja leider weitgehend inflationalisiert. Es gibt Bier-Sommeliers, Wasser-Sommeliers, Käse-Sommeliers... Das stört mich allerdings weniger, da es sich hier um Lebensmittel handelt, bei denen es große Qualitätsunterschiede gibt und bei denen ein ausreichendes Wissen tatsächlich zu erhöhtem Genuss beitragen kann.
Ein Ausschnitt aus einer amerikanischen Sendung hingegen regte mich auf, weil dort ein ausgemachter Weinexperte von einem amerikanischen Gourmet-Portal einer bekannten Weinzeitschrift die „ultimativen“ Weinempfehlungen zu qualitativ stark minderwertigen Lebensmitteln abgab, die viele Amerikaner gerne vor dem Fernseher essen. Der „optimale“ Wein zu Nüssen, gesalzenem Popkorn, Nachos mit Käsepampe und scharfen Jalapeños sowie intensiv süßem Zuckerzeug!

Montag, 20. Juni 2011

Was wir Frauen wollen...

In einer bekannten spanischen Zeitung stolperte ich über folgende Zeile „Frauen bevorzugen Rotwein“. Solche Verallgemeinerungen finde ich immer interessant.
Diese Studie ist ganz aktuell und wurde zwischen März und April 2011 gemacht. Die befragten Frauen kamen aus Frankreich, England, Deutschland, Amerika und Hong Kong. Mal abgesehen von der lustigen „Mischung“ wurden insgesamt (nur) 10.492 Frauen befragt. Ich frage mich, wie repräsentativ das wohl sein kann? Immerhin hat eine ähnliche Studie in Spanien das gleiche Ergebnis gebracht: 6 von 10 spanischen Frauen ziehen demnach Rotwein dem Weißwein und Rosé vor. Genug Grund, mal eine eigene Befragung zu starten...

Donnerstag, 9. Juni 2011

Pro BIO

Quelle: www.della-donna.de
Ich bin der festen Meinung, dass man sich über das was man isst und trinkt, Gedanken machen sollte - und zwar gründlich!
Ich bin ein „Fan“ von organisch bzw. biologisch hergestellten Weinen. Für mich ist es vollkommen logisch, dass man überhaupt nur von einem gesunden und lebendigen Boden Weine machen kann, die etwas widerspiegeln. Was möchte man denn bei einem Chemie verseuchten, „toten“ Boden widerspiegeln? Mal abgesehen davon, dass mir einige Winzer schon erklärt haben, dass dieser organische Weinbau außerdem günstiger sein kann, weil man eben diese Chemie spart...

Freitag, 3. Juni 2011

Hilferuf für die Region Bierzo

Quelle: www.redmuseosdelvino.es
Die Region Bierzo im Nordwesten von Spanien war bis vor Kurzem noch eine unbekanntere Region der vielen verschiedenen Herkunftsgebiete (mittlerweile 70!) für Weine in Spanien. Doch die internationale Weinwelt ist aufmerksam geworden auf die eigenständigen weißen und roten Weine aus den eigenständigen Rebsorten Godello und Mencia. In der Tat gibt es hier ein großes Potenzial für gute und außergewöhnliche Weine.
Das Ganze vermittelte mir eine richtige Aufbruchstimmung und somit ein Gefühl von blühender Zukunft für diese Region. Deshalb war ich umso erstaunter, als mir der Winzer Ginés Fernández López, Winzer und Eigentümer von Bodegas y Viñedos Gancedo, im Gespräch ein anderes Bild von der Situation beschrieben hat. 
Seine großartigen Weine entstehen in alten Weinbergen und in Buscherziehung. Alles muss per Hand gemacht werden und der Kilopreis für die Trauben ist sehr niedrig. Die Arbeit ist somit schlecht bezahlt und teilweise unrentabel und viele Kinder der jetztigen Winzer haben kein Interesse daran, die Arbeit ihrer Eltern fortzuführen. So geht es auch Ginés und seiner Frau, deren Sohn diese Knochenarbeit nicht weitermachen möchte.
Deshalb mein Aufruf: trinkt mehr Bierzo! Die kleinen Bodegas müssen erhalten bleiben, weil wir eigenständige und spannende Weine lieben!

Rot- und Weißweine aus dem Bierzo gibt es bei www.vinogusta.com


Montag, 30. Mai 2011

Winzer in "echt"

Ginés Fernández López - Bodegas y Viñedos Gancedo.

Quelle: http://aglassafterwork.com
 Es ist kein Geheimnis, dass wir Menschen uns von vielen Dingen - bewusst oder unbewusst -beeinflussen lassen und oftmals ein objektives Urteil kaum möglich ist. Deshalb ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, Weine gerecht zu beurteilen, sie blind zu probieren.
Lange Rede – kurzer Sinn: die Weine von Bodegas y Viñedos Gancedo schmecken mir noch besser, nachdem ich den Winzer kennen gelernt habe! Das ist ein echter Charakter, mit Ecken und Kanten, ungemein authentisch. Die Qualität seiner Weine ist seine Lebensaufgabe und er identifiziert sich vollkommen mit seiner Arbeit. Die Weinmesse beim Rheingau-Gourmet-Festival war seine erste Messe im Ausland und zur Teilnahme musste er schwer überredet werden. Er konnte überhaupt nicht verstehen, wie man als Winzer seinen Weinberg für 3 Tage alleine lassen kann und soll. Ungemein sympatisch. Allerdings war ich sehr froh, dass er einmal verreist ist und ich so die Möglichkeit hatte, ihn kennen zulernen und viel Spannendes rund um die Entstehung seiner Weine gehört zu haben.

Der Xestal (siehe Bild) und weitere Weine der Bodegas y Viñedos Gancedo sind auf Vinogusta unter diesem Link erhältlich.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Zeit der Entdeckung weißer spanischer Rebsorten – Albillo

Quelle: http://farm6.static.flickr.com
Vielleicht sind weiße spanische Rebsorten immer eine Entdeckung, da in Deutschland viel mehr roter spanischer Wein getrunken wird und man schon „Spanienfachmann“ ist, wenn man die berühmteste spanische Weißweinregion DO Rueda kennt.
Heute möchte ich die weiße Rebsorte ALBILLO vorstellen, da ich gerade in den Genuss kam... In Weinbüchern findet man kaum eine lobende oder ausführlichere Beschreibung dieser Rebsorte. Allerdings erstaunlicherweise vereinzelt extrem gute Verkostungsnotizen. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass diese Rebsorte selten vorkommt in Spanien und dementsprechend wenige Menschen wirklich etwas dazu zu sagen haben – bis sie durch Zufall an einen erstaunlichen Wein geraten...

Montag, 23. Mai 2011

BIO: Mehr als organisch?

Quelle: www.ecovin-baden.de
Extreme Ansichten können die positive Wirkung haben, dass man zum Nachdenken angeregt wird und vielleicht auch zu einer persönlichen Meinungsbildung. Ich habe ein interessantes Interview mit Pierre Jancou, Gastronom, Koch, Importeur und Verfechter von natürlichen Weinen (vins naturels) gelesen und möchte seine Gedanken gerne „in die Runde werfen“. Der Mann ist Franzose und ein echter Weinextremist, was die Herstellung von Weinen angeht. Die Weinbewegung „vins naturels“, für die er steht oder vielleicht auch deren „Kopf“ er ist, möchte eine absolut natürliche Weinherstellung ohne jegliche Zusätze.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Schmausend in der Flugschneise

Neulich wieder in der Casa Goyo gewesen. Es gibt sie immer noch. Kürzlich wurde renoviert, Bretterverschläge wurden gestrichen, der Parkplatz zeigt sich in gepflegterem Zustand. Aber ansonsten wurde der urige Charakter nicht angetastet. Man muss sich das vorstellen: Ein Restaurant mitten in der Flugschneise. Gegessen wird in kleinen Holzbaracken direkt an der Felsenküste. Man hört die Brandung des Meeres, schaut durch glaslose Fenster in die Ferne und denkt: Wie auf Cuba. Dabei sind wir auf der Kanareninsel La Palma.

Rustikale Holztische und –bänke, salzige Luft, Sonne, Salsa-Musik. Wir staunen und schmausen. Während eine Iberia-Maschine fast zum Greifen nah, vor allem mit großem Getöse über uns den Landeanflug zelebriert, wird die Fischplatte serviert, dazu Kartoffeln, grüne Mojo-Sauce, vulkanisch angehauchter Malvasía-Weißwein aus Fuencaliente. Iberias Getöse lässt die Teller zittern. Auf ihnen zittert gegrillter Papageifisch (vieja), auch ein Stückchen Muräne (morena) ist beigefügt. Alles schmackhaft, herzhaft, frisch in der offenen Küche neben der Bar zubereitet.

Wenn man schließlich beim Kaffee sitzt, in der Tasse rührt, weit über das Meer schaut, denkt man unwillkürlich: Gibt es einen geeigneteren Ort, um den Rückflug nach Mitteleuropa zu verpassen?

www.casagoyo.es (montags geschlossen)

Montag, 16. Mai 2011

DO Arlanza im Schatten der DO Ribera del Duero

Quelle: http://fotomilk.com
Die DO Arlanza ist klein und „unerschlossen“ und befindet sich in der Provinz Burgos. Mit seinen 450 ha Rebfläche gehört es zu den kleinsten Weinanbaugebieten Spaniens. Die hügelige und zum Teil bergige Weinregion (800-1200m üNN) liegt nördlich der DO Ribera del Duero und ist dem berühmten Nachbarn in klimatischer und geographischer Hinsicht äußerst ähnlich...

Dienstag, 10. Mai 2011

Grillen und Chillen

Warum zum Grillen und Chillen auf der Wiese im Sommer nur Bier? Nichts gegen Bier, aber vielen kommt es immer noch nicht in den Sinn, einen Wein mitzunehmen. Und wenn mal einer angeboten wird, dann auf Umgebungstemperatur. Den möchte dann natürlich niemand trinken! Man trinkt ja auch kein warmes Bier. Immer schön Kühlakkus oder so eine Kühlmanschette, die die ganze Flasche umschließt (perfekt bei Weißwein), mitnehmen in der Tasche, in der der Wein transportiert wird – auch beim Rotwein. Der schmeckt nämlich genauso wenig warm wie Weißwein. Und Rotwein zu gegrilltem Fleisch ist doch ein Traum! Der muss gar nicht teuer sein. Ein junger Roter aus der Rebsorte Tempranillo ohne Holzausbau passt gut gechillt wunderbar zum Grillgut und einem warmen Sommernachmittag. Mein Tipp: Stellen Sie den Rotwein ca. eine halbe Stunde in den Kühlschrank. So kühlt man ihn auf ca. 14-15° C runter. Dann viel Spaß beim Grillen und Chillen im Sommer 2011!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Gedanken beim Verzehr einer Scheibe Schinken.

Man kann sich darüber streiten, ob der beste Ibérico-Schinken aus Guijuelo (Salamanca/Kastilien), Jabugo (Huelva/Andalusien) oder aus der Extremadura kommt. Was nicht zu bestreiten ist, kam mir kürzlich in Guijuelo wieder in den Sinn: Ohne die Dehesa gäbe es weder Ibérico-Schweine noch Schinken oder andere Fleischpartien von ihnen. Im Grunde müsste jeder, der sich mit Ibérico-Delikatessen vergnügt, eine kleine Abgabe entrichten, um die Dehesa zu pflegen und ihr Ökosystem zu erhalten.
Als weltweit einzigartige Kulturlandschaft zieht sich die Dehesa parallel zur portugiesischen Grenze aus dem Westen Andalusiens nordwärts durch die Extremadura bis in die kastilischen Provinzen Salamanca und Zamora. Überall große, mächtige Steineichen, der Charakterbaum dieser Landschaft. Auch einige Berg- und Korkeichen sind darunter. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden Schatten, werfen Laub ab, das sich zersetzt und das Wachstum anderer Pflanzen begünstigt. Im Herbst fallen Abertausende von Eicheln zu Boden: Futter für die Endmast der Ibérico-Schweine, die das ganze Jahr hindurch bei Kälte und Sommerhitze in dieser Landschaft leben.

Dienstag, 3. Mai 2011

Ein Monument wird verzehrt.


Wenn ich in Katalonien zu tun habe, sorge ich dafür, dass ich bald nach der Ankunft ein pa amb tomàquet genießen kann. Tomatenbrot könnte man übersetzen, aber es ist weit mehr als das. Die kulinarische Zeremonie beginnt mit einer Scheibe Bauernbrot; es muss von fester Konsistenz, die Rinde muss dunkel gebacken sein. Einige Tropen Olivenöl darauf. Dann nimmt man eine Tomatenhälfte und reibt sie über die Scheibe, bis sich das Innere in der Brotsubstanz verliert. Dazu taugen nur spezielle Brot-Tomaten mit harter Schale, sie sind klein wie ein Golfball, dunkelrot, vollreif. Sie werden im Sommer geerntet, später an einer trockenen, luftigen Stelle aufgehängt. Dort halten sie sich fast ein Jahr.

Schließlich wird das Tomatenbrot nochmals großzügig mit einigen Tropfen Olivenöl getränkt. Abschließend einige Körner Meersalz darüber. Endlich der erste Biss hinein in dieses Monument des katalanischen Kulturerbes. Dazu ein Gläschen Weißwein oder Cava. Schon regt sich in mir das Gefühl: Wie angenehm, wieder mal in Katalonien angekommen.


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