Montag, 2. Januar 2012

Purer Genuss oder pure Abzocke?

Sieht man sich die Entwicklung des Liv-Ex 100 an, so ist der Wert des Weins in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich fast 20% jährlich gestiegen. Ach so, Liv-Ex 100, was ist das eigentlich? Was den Spekulanten von Sachwerten durchaus ein Begriff ist, kennt unter den wahren Genießern von Wein kaum einer.
Der Liv-Ex 100 ist ein Leitindex für Wein, sprich ein internationaler Handelsplatz für die feinen Tropfen dieser Welt. Wohlklingende Namen wie Château Margaux, Petrus, Le Pin oder Lafite-Rothschild sind die Blue-Chips unter den vermeintlich besten Weingütern der Welt. Allgemein gelten die klassifizierten Spitzenweine aus Bordeaux als Schwergewichte im Index. Dieser verlor zwar etwas an Boden im letzten Quartal 2011, sein langfristiger Aufwärtstrend ist dennoch ungebrochen.

Montag, 12. Dezember 2011

Big Jay!!! Big Business???

Letzte Woche ließ der große Robert Parker Jr. auf seiner Website erobertparker.com verlauten, dass es Veränderungen in seinem Verkostungsteam geben würde und teilte mit, dass Jay Miller nicht länger für den WineAdvocate schreiben würde...

Montag, 21. November 2011

Die neue Lust auf gutes Essen

Am 11.November erschien die neue deutsche Ausgabe des Guide Michelin. Jedes Jahr zeichnet der renommierte kulinarische Führer Restaurants mit den beliebten Sternen aus. Mit insgesamt 249 Sterne-Restaurants bietet Deutschland nach Frankreich die meisten Adressen für kulinarischen Hochgenuss. Die höchste Auszeichnung von 3 Sternen erhielten 9 Restaurants und somit konnte das hohe Niveau der Vorjahre gehalten werden. Die Anzahl der 2-Sterne-Restaurants stieg auf 32. Diese Zahl hat sich in den letzten 2 Jahren verdoppelt. Die Auszeichnung des Michelin ist nicht nur Anerkennung und Prestige für den verantwortlichen Küchenchef und seine Crew, sondern ist oft auch mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden. Kaum ein 3-Sterne-Restaurant, das sich über leere Plätze beklagen müsste, im Gegenteil, die Wartelisten werden länger und länger. Dabei liegen die Preise für einen Hauptgang in der Regel jenseits der 50 Euro. Ein Degustationsmenü mit passender Weinbegleitung kann dann schon mal 300 Euro kosten - Der Gruß aus der Küche und die Ausführungen des Sommeliers sind natürlich inbegriffen.

Eines der Hauptkriterien für die Vergabe der Sterne ist neben der Innovation und Einzigartigkeit der Gerichte und der Harmonie der geschmacklichen Verbindungen vor allem die Auswahl der Produkte, deren Frische und die fachgerechte Zubereitung.
So möchte der Gast nicht nur seinen Hunger stillen - er will auf höchstem Niveau genießen. Hierzu gehört auch mehr über das Produkt, welches er serviert bekommt, zu erfahren. Bei all den verschiedenen Kochstilen und den ach so unterschiedlichen Interpretationen der Gerichte - in einem Punkt sind sich alle Spitzenköche einig: Ohne Top-Produkt kein Top-Gericht. Der Gast legt höchsten Wert auf exquisite Produkte bekannter Herkunft und Identität.
Die Lust auf gutes Essen ist ungebrochen...und das ist auch gut so. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung und hoffe, dass dies nicht nur ein vorübergehender Trend ist, sondern wir auch weiterhin große Sorgfalt bei der Auswahl unserer Lebensmittel walten lassen, denn gutes Essen beginnt genau hier und nicht unbedingt in einem mit Sternen dekorierten Restaurant.

Dienstag, 8. November 2011

PPP – „Parker“, „Peñin“ oder doch der „Persönliche Geschmack“

Wer sich heutzutage etwas genauer mit dem Thema Wein beschäftigt, ist sicherlich schon mal über die Verkostungsnotizen und Bewertungen des berühmten Robert Parker Jr. aus den USA gestoßen. Wie könnte man daran auch vorbeikommen, ist doch gerade die Internetwelt voll davon. Kaum ein Online-Shop, der darauf verzichtet, die Meinung des ehemaligen Anwalts aus Baltimore anzupreisen - natürlich nur wenn diese positiv ist. Sein 100-Punkte Bewertungssystem wurde z.B. auch von José Peñin, der als wichtigster und einflussreichster Weinkritiker Spaniens gilt, übernommen.

Natürlich sind manchen von uns diese Bewertungen eine große Hilfe bei der Auswahl unserer Weine. Aber können wir uns denn auf den guten Geschmack dieser Kritiker verlassen? Über diesen lässt sich ja bekanntlich streiten. Fakt ist, dass unser Geschmack nicht zwangsläufig der eines berühmten und einflussreichen Weinkritikers ist. So wird auch Robert Parker immer wieder für seine klar definierte Geschmackslinie kritisiert. Andererseits habe ich noch nie einen miserablen 100-Punkte-Wein getrunken. Im Gegenteil, alle waren exzellente und unvergleichliche Weine auf höchstem Niveau. Die Bewertungen sind meiner Meinung nach ein hilfreiches Tool um das Preis-Leistungs-Verhältnis eines Weins einschätzen zu können. Hoch bewertete Weine sind qualitativ sicher nicht schlecht, ob sie dann unseren Erwartungen entsprechen ist eine andere Frage. In letzter Instanz sollten wir unseren eigenen Geschmack entscheiden lassen, denn darauf kommt es doch an...Der Wein muss einfach gut schmecken! Salut!


Bildquelle: wineindia.in

Mittwoch, 28. September 2011

"Die florale Retronase oder die übermotivierte Hochnäsigkeit?"

Keine Frage, Wein ist mit Abstand eines der feinsten und interessantesten Getränke. Doch wir tun dem Wein keinen Gefallen, wenn wir suggerieren, dass es vieler Grundkenntnisse bedarf - sogar manche esoterischen Charakters - um einen guten Tropfen zu genießen.



Oftmals ärgern wir uns darüber, dass die Konsumenten nach wie vor bei einem Dornfelder, Lambrusco und vor allem beim altbekannten Bier verharren. Diesen Schuh müssen wir uns als Händler, und vor allem die Sommeliers, Önologen, Journalisten und Winzer selbst anziehen. Mittlerweile haben wir nämlich den Wein mit einer immensen Ansammlung von Fachausdrücken und Beschreibungen derart mystifiziert, dass sich der Normalverbraucher zu Recht fragen muss, wie die “leicht floralen Noten in der Retronase” zu verstehen sind, ob dies gar ernst gemeint ist, oder ob sie lieber den Hund mit der so feinen Nase um Hilfe bitten sollten, diese Noten endlich zu finden.

Selbstverständlich darf man von einem Önologen erwarten, dass er im Rahmen seiner Profession feinste Nuancen erkennt und diese zum Ausdruck bringen kann. Beim normalen Weinverbraucher jedoch wächst das Verständnis für die vielschichtige Welt des Weines und die Bereitschaft unbekanntes Gebiet zu betreten erst bei zunehmendem Konsum jedes Mal ein bisschen mehr. Und genau da liegt das Problem. Denn, anstatt den Verbrauchern die nötige Hilfestellung durch einfachere und verständlichere Beschreibungen zu geben, schießen die unzähligen Sommeliers, Kritiker und Fachjournalisten öfter übers Ziel hinaus und vermitteln so dem normalen Konsumenten den Eindruck, dass das noble Getränk Wein eine geheimnisvolle, fast nicht zugängliche Aura umgibt. Wer traut sich da noch zu widersprechen oder gar ehrlich zuzugeben, dass der eine oder andere so hoch gelobte Wein „mit der so komplexen, aber zugleich ausgewogenen Struktur” am Ende doch nicht geschmeckt hat? Schon gar nicht möchte man sich blamieren, wenn man nicht das gequälte Vokabular des Fachjargons beherrscht, um es dem unverständig drein schauenden Sommelier erklären zu können.

Zweifellos braucht es sehr viel Zeit, Fachwissen und Erfahrung, um die komplexen Hintergründe der vielfältigen Weinwelt zu verstehen. Die weitaus größere Kunst liegt vielleicht jedoch darin, dieses Wissen so weitergeben zu können, dass bei der Ansprache keiner ausgeschlossen wird, dass alle auf das Neue, Unbekannte gespannt bleiben und dass zur Krönung viele Interessierte zum Probieren animiert werden. Ganz gleich, welcher Tropfen verkostet wird: letztendlich muss Jedem die Möglichkeit gewährt werden, selbstbewusst den eigenen Geschmack entdecken zu dürfen - denn, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

(Bildquelle: www.badische-zeitung.de)

Mittwoch, 6. Juli 2011

No go Weißweinschorle?

Quelle: www.mineralwasser.com
Was ich gar nicht verstehen kann ist, warum man sich über Leute aufregen muss, die Weißweinschorle trinken. Eine Weinfachfrau schrieb, dass es quasi eine Schande ist und sie gerne die Leute darüber belehren würde, welches Aroma der Wein hätte, ohne das hinzugefügte Wasser...
Es handelt sich um Wasser – nicht um Cola – und natürlich ist es schade, wenn man einen hervorragenden Weißwein mit Wasser verdünnen würde, bei dem sich der Winzer viel Mühe gemacht hat und die vielfältigen Aromen so verwässert würden. Aber jetzt mal ehrlich: wer macht das schon?
Es dreht sich doch hier um fruchtige, einfache, zugängliche Weißweine, die zur Schorle gespritzt werden. Meine Eltern trinken fast jeden Tag eine Schorle mit ehrlichem Literwein vom Winzer aus dem Nachbarort...

Montag, 27. Juni 2011

Der Fast-Food-Sommelier


thevreelandclinic.files.wordpress.com
Der Begriff Sommelier hat sich ja leider weitgehend inflationalisiert. Es gibt Bier-Sommeliers, Wasser-Sommeliers, Käse-Sommeliers... Das stört mich allerdings weniger, da es sich hier um Lebensmittel handelt, bei denen es große Qualitätsunterschiede gibt und bei denen ein ausreichendes Wissen tatsächlich zu erhöhtem Genuss beitragen kann.
Ein Ausschnitt aus einer amerikanischen Sendung hingegen regte mich auf, weil dort ein ausgemachter Weinexperte von einem amerikanischen Gourmet-Portal einer bekannten Weinzeitschrift die „ultimativen“ Weinempfehlungen zu qualitativ stark minderwertigen Lebensmitteln abgab, die viele Amerikaner gerne vor dem Fernseher essen. Der „optimale“ Wein zu Nüssen, gesalzenem Popkorn, Nachos mit Käsepampe und scharfen Jalapeños sowie intensiv süßem Zuckerzeug!

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